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Schachtenwanderung Lindberg Nationalpark Bayerischer Wald: Die Königstour

Die letzte Ruhe des bald endenden Lockdowns im Mai 2021 versetzt mich in eine eigenartige melancholische Stimmung. So…
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Schachtenwanderung Lindberg Nationalpark Bayerischer Wald: Die Königstour

Die letzte Ruhe des bald endenden Lockdowns im Mai 2021 versetzt mich in eine eigenartige melancholische Stimmung. So…

Highlights Schachtenwanderung Lindberg / Buchenau

Nationalpark Bayerischer Wald

Natur Natur sein lassen, du wanderst in einzigartigem Urwaldgebiet

Lindberger Schachten

ein Meer aus Heidelbeersträuchern

Hirschbachschwelle

perfekter Platz für ein Picknick

Zwieseler Filz

auf Bohlenwegen durch das beeindruckende Moor

Kohlschachten & Almschachten

uralte Bergahorne und Buchen, im Frühsommer Wollgras

Latschenfilz & Latschensee

Latschenkiefer wachsen am Wegrand, der Latschensee ist flächenmäßig der größte Moorsee im Bayerwald

Trinkwassertalsperre Frauenau

Wasserfälle begleiten dich bis zum See, vom Damm eröffnet sich ein einmaliger Blick auf den Bayerischen Wald

Die letzte Ruhe des bald endenden Lockdowns im Mai 2021 versetzt mich in eine eigenartige melancholische Stimmung. So viel hat sich verändert und doch überhaupt nichts. Wandern ist mein Dauerbrenner gegen jegliche Tiefs und Stress. Ich brauche Natur. Viel Natur. Und so kommt es, dass ich nach längerer Zeit mal wieder die 21 Kilometer lange Schachtenwanderung ab Lindberg bei Buchenau plane. Trotz fröstelnden Temperaturen und Regenergüssen vom Feinsten. Denn ich weiß, es ist das beste Mittel um den Alltag auszuknipsen.

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Die Alpen sind bekannt für ihre Almen. Wusstest du, dass es auch Almen im Bayerischen Wald gibt? Wir bezeichnen sie im Bayerischen Wald als Schachten. Rindern begegnest du dort nicht mehr. Die Waldweide beginnt erstmals im 17. Jahrhundert am Ruckowitz-Schachten.

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Von der Rinderzucht zum Kulturdenkmal: Schachten Bayerischer Wald

Der Staat erlaubte es den Landwirten in Zwiesel Jungvieh in den Hochlagen zu betreiben, die später als Zugvieh verkauft wurden. So konnten zusätzliche rentable Erwerbseinnahmen geschaffen werden. Durch die sinkende Nachfrage an Zugtieren, wurden die Schachten im 19. Jahrhundert mehr und mehr aufgelöst. Heute werden sie als Kulturdenkmal im Nationalpark Bayerischer Wald erhalten. In dem Gebiet befinden sich auch Hochmoore, sogenannte Filze.

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Die Schachtenwanderung ab Lindberg unternehme ich dieses Jahr zum ersten Mal im Mai. Ich kenne die Hochlagen nur in den späten Sommermonaten, wenn sich die Landschaft golden färbt. Ich bin gespannt, mit welchem Gesicht die Natur mich erwartet. Der Lockdown-Winter war lang. Sehr lang. Zu lang. In den Schachten ist das Klima rau und an jenem Tag überzieht sich der Himmel am Morgen mit einer hartnäckigen Wolkendecke und Nieselregen.

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Die Runde mit der Markierung „Pestwurz“ führt direkt in den üppigen traumhaften Bayerischen Wald. Leuchtendes hellgrün der zarten Buchenblätter strahlt uns als Kontrast zum grauen Himmel entgegen. Nach dem ergiebigen Regen der letzten Tage, bildet der plätschernde Pommerbach teils wunderschöne kleine Wasserfallkaskaden. Ich bin bereits nach 10 Minuten geheilt vom Gedankenkarussell. Welche Gedanken überhaupt?

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Nebelmystik im Wald

Anfangs laufen wir auf einem angenehmen Schotterpfad, bis der Weg in einem Stein-Wurzelgelände mündet. Die Schachtenwanderung in Lindberg startet bereits auf 750 m Höhe und mit steigenden Wandermetern nehmen die Blätter an den Bäumen ab. Vor wenigen Wochen hat es noch geschneit. Der Sommer beginnt in den Hochlagen stets ein paar Wochen später, als ich es in Passau gewöhnt bin.

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Mystisch bettet sich der Nebel zwischen die kurvigen Baumstämme ein. Es entfaltet sich im wahrsten Sinne des Wortes eine „unheimlich schöne“ Stimmung. Das grüne Moos polarisiert nahezu die Unfarbigkeit der restlichen Umgebung.

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Beim Lindberger Schachten endet der Wald abrupt auf einer Lichtung. Eine völlig andere Welt erhebt sich vor uns. Heidelbeersträucher soweit das Auge reicht und vereinzelte skelettartige Bäume zieren unser Blickfeld. Früher dienten die Bäume den Rindern als Schattenspender.

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Die Formation der Äste in Kombination mit dem Nebel wirken wie Kunstgebilde. Der Horizont ist verschlungen vom Nebel und wir flanieren schweigsam durch die unwirklich anmutende Kulisse.

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Links führt uns die nächste Abzweigung erneut in einen Buchenwald. Neben dem Pfad befinden sich teils steile Abhänge. Die gesamte Route ist wirklich hervorragend ausgeschildert. Wir überqueren Totholz, Wurzeln, Gestein und mehrmals den Bachlauf. Faszinierend, wie sich das Wasser immer wieder den Weg ins Tal bahnt. Mitten im Chaos der Natur gedeihen am Wegrand geordnet die Beerensträucher.

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Schachtenwanderung Lindberg: Die Idylle im Moor

Die nächste Etappe leitet uns auf einem geschotterten Weg Richtung Hirschbachschwelle. Zu unserer rechten Seite erhebt sich die Weite des Bayerischen Walds. Die Spitzen der Fichten dampfen regelrecht vom Nebel. Totholz liegt musterartig verstreut in der Landschaft. Typisch für den Nationalpark Bayerischer Wald. Ich mag’s. Weit entfernt, aber deutlich erkennbar ein üppiger Wasserfall des Hirschbachs.

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Nur wenige Schritte weiter ruht die Hirschbachschwelle. Sie diente in der Vergangenheit dem Triftern von Baumstämmen. Ein kleines Holzbankerl lädt zum Verweilen ein. Ein friedlicher Ort. Auf dem dunklen Wasser spiegeln sich Fichten, dazwischen wachsen hellgrüne Grasinseln neben mächtigen, entwurzelten Bäumen. Kein Geräusch weit und breit. Der Nebel hat sich verzogen und ich atme die klare frische Mailuft ein. Natur pur!

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Die Route führt noch ein kurzes Stück auf Wurzelgelände weiter. In einem unachtsamen Moment rutsche ich auf dem nassen Waldgebiet aus. Ich habe Glück und nur mein Arm ist geprellt. Obwohl sich die zurück gelegten Höhenmeter in Grenzen halten, ist die Wanderung anspruchsvoll. Besonders bei Nässe wird unwegsames Gelände zur gefährlichen Rutschpartie.

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Im Zwieseler Filz laufen wir bequem auf Bohlenwegen. Es ist der größte Sattelhochmoorkomplex Deutschlands. Zur Erhaltung der äußerst sensiblen Vegetation dürfen die Bohlenwege nicht verlassen werden. Anfänglich leitet uns der Weg durch das Totholz, welches seltsam lebendig wirkt. Im Moor beginnt es zu regnen und die Tropfen ziehen Kreise auf dem spiegelglatten Wasser, der bis zu 10 Meter breiten Mooraugen.

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Regenwetter mit Happyend

Als wir den Kohlschachten passieren, schüttet es plötzlich aus Kübeln, sodass wir nun laufen, anstatt zu gehen. Nur wenige der urwüchsigen Bäume zieren die Landschaft und wir finden keinen Schutz vor der Nässe. Bis Anfang der 1960er Jahre wurden in den Kohlschachten noch Rinder großgezogen.

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Die Route verläuft weiter ins Latschenfilz und wir bewegen uns nochmal auf Bohlenwegen. Der Latschensee ist nicht ausgeschildert und liegt sozusagen in einer Sackgasse. Du findest ihn, wenn du der linken Abzweigung auf den hölzernen Planken weiter folgst. Zwischen den kleinwüchsigen Latschenkiefern führt der Weg nach wenigen Metern zum idyllischen See. In unserer Region wird er auch als Kohlweiher bezeichnet. Mit nur einer Größe von 0,1 ha ist er der größte Moorsee im Bayerischen Wald. Fast verloren wirkt er hier draußen, seine Schönheit ist nicht in Worte zu fassen.

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Der Rundweg leitet uns in den Hochschachten auf 1150 Metern Höhe. Allmählich weicht der Regen der Sonne und wir werden mit einem wunderschönen Ausblick auf den Großen Arber belohnt. Wir beschließen hier unsere Pause einzulegen. Zeit für ein gemütliches „Gipfelbier“. Der Wind weht uns um die Nase, die Blicke auf den König des Bayerischen Walds, dem Arber, gerichtet. Ungezähmte Natur, sonst nichts, ein ultimatives Gefühl der Freiheit.

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Schachtenwanderung Lindberg: Faszination Bäume

Im Anschluss wandern wir südlich weiter zum Almschachten mit der Markierung Borstgras. Die Landschaft ist einmalig schön. Dünngesät erblicken wir faszinierende, knubbelige uralte Bergahorne und Buchen auf dem weichen Gras des Berghangs. Wenn Bäume nur sprechen könnten. Ich würde gerne ihre Geschichte hören. Während die anderen Schachten zum Weiden der Jungrinder genutzt wurden, gab es auf dem Almschachten teilweise eine Alm-Wirtschaft. Bis zum Jahr 1920 wurde Milch zu Käse und Butter weiterverarbeitet. Die gute alte Zeit, schießt es mir durch den Kopf. Der Ausblick ist nicht der Schlechteste, er reicht bis zum eindrucksvollen Rachelmassiv.

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Im Wechsel laufen wir durch Buchenwälder und durch das Totholz vergangener Stürme in Richtung Verlorener Schachten. Es ist der Schachten mit der größten Seegrasfläche im gesamten Areal. Bis heute ist er in Privatbesitz des Freiherrn von Poschinger. Der weitere Weg bahnt sich durch einen immer grüner werdenden Waldweg in Richtung Trinkwassertalsperre. Die Landschaft mutet im Sonnenlicht und der Frühlingsnatur außerordentlich malerisch und mittlerweile auch freundlich an.

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Trinkwassertalsperre Frauenau: Weitblick in den Bayerischen Wald

Über die Schachtendiensthütte laufen wir die Etappe zur Trinkwassertalsperre weiter. Zur linken Seite werden wir vom Fluss Kleiner Regen begleitet. Zusammen mit dem Hirschbach bildet er die Talsperre in Frauenau. Errichtet wurde sie, um den Mangel an Trinkwasser im Bayerischen Wald zu sichern. Das Fassungsvermögen des Wasserreservoirs liegt bei 21,7 Kubikmetern.

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Die Ufer des Stausees dürfen nicht betreten werden, trotzdem lohnt sich der Besuch immer wieder. Allein die Fernsicht Richtung Großer Rachel ist vom Damm an klaren Tagen einfach bezaubernd. Eine letzte kleine Pause. Die Sonne erobert mein Gesicht, der Wind meine Haare. Für die finale Etappe halten wir uns links und wandern noch ungefähr 2,5 Kilometer entlang der Markierung Gläserner Steig. Wir sind nach 7 Stunden mit Fotostopps wieder am Parkplatz in Buchenau.

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Regen, Nebel, Kälte, Sonne, Wind, Gestein, Wald, Bach, Filze und Wiesen. Die Seele ist gefüttert, der Körper wohlig erschöpft.

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Infos zur Schachtenwanderung ab Lindberg:

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Startpunkt: Wanderparkplatz Buchenau/Lindberg

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Markierung: Pestwurz, ab Hochschachten Borstgras, ab Trinkwassertalsperre Gläserner Steig

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Höhenmeter: 400 m Auf -und Abstieg

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Anspruch: schwer

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Länge: ca. 21 Kilometer

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Dauer: ca. 6 Stunden

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Keine Einkehrmöglichkeit

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