Nicht immer brauche ich anstrengende Höhenmeter mit Adrenalinkick, eine riesige Distanz und schon gar nicht den perfekten Instagram-Spot. Vor allem in der dunklen Jahreszeit, bin ich froh, wenn ich es überhaupt einmal pro Woche nach draußen schaffe. Ein verschneiter Weg, kalte Winterluft in der Lunge und eine weite Aussicht, um wieder etwas klarer denken zu können, reichen mir dann völlig aus. Genau das finde ich bei der kurzen Winterwanderung zum Bistand bei St. Oswald im Bayerischen Wald. Der Bistand (auch Bienstand genannt) ist somit keine Wanderung für Abenteurer, sondern eine kleine Bewegungseinheit in der herrlichen Natur des Bayerischen Walds.

Warum der Bistand im Winter eine gute Wahl ist
Wie eingangs erwähnt bleibt im Winter wegen der kurzen Tage nicht so viel Zeit für ausgiebige Touren. Ich bevorzuge Winterwanderungen, die möglichst ohne großen Aufwand funktionieren. Egal ob viel, wenig oder gar kein Schnee liegt, im Winter bin ich einfach kein Fan davon, komplizierte Routen zu planen. Der Bistand oberhalb von St. Oswald-Riedlhütte erfüllt den Anspruch, und obwohl er zu den leichten Wintertouren zählt, ist die Wanderung alles andere als langweilig. Am Gipfel überrascht dich nämlich ein besonders fabelhafter Panoramablick.

Mit ca. 2,8 Kilometern Länge und kaum Höhenmetern eignet sich die Tour ideal für zwischendurch oder als Feierabendrunde. Banal fühlt sich der Weg im verwunschenen Waldgebiet dennoch nicht an und vor allem im Winter entfaltet der Bayerische Wald immer einen ganz besonderen Charme, wenn die verschneiten Mittelgebirge in der Nachmittagssonne glitzern.

Startpunkt der Winterwanderung: Parkplatz am Bistand
Ich starte meine Tour am Wanderparkplatz zwischen Reichenberg und Höhenbrunn, welcher direkt an der Straße liegt. Erstmal kein sonderlich spektakulärer Einstieg, aber das wird sich bald ändern. Ich ziehe die Mütze tiefer ins Gesicht, schließe die Jacke und marschiere los. Bereits nach wenigen Schritten lasse ich die Asphaltstraße hinter mir und wandere zunächst auf einem breiten Forstweg sanft den Hang hinauf, bis ich in den Winterwald eintauche.

Der Schnee ist festgetreten und teilweise leicht vereist, jedoch mit guten Winterwanderschuhen gefahrlos begehbar. Grödel brauche ich heute nicht und für Schneeschuhe liegt mittlerweile leider ein bisschen zu wenig Schnee. Links und rechts ragen die Bäume des Nadelwalds dem Himmel empor, während ich die Sonnenstrahlen in meinem Gesicht an diesem eisig kalten Wintertag genieße.

Ich folge der Beschilderung Richtung Bistand (Bienstand). Nach kurzer Zeit zweigt der Weg links im Wald ab und wird etwas schmaler. Der Anstieg bleibt weiterhin einfach und zwingt mich nicht zur Eile. Dafür lässt er viel Raum und Zeit, um sich auf die wilde Natur einzulassen und endlich vom hektischen Alltag durchzuatmen.


Panoramaaussicht über den Bayerischen Wald: Winterwanderung Bistand
Nach rund 20 Minuten erreiche ich den höchsten Punkt der Winterwanderung. Der Bistand (865 m) ist kein schroffer Gipfel, sondern eine Aussichtskuppel mit einem neuen Holz-Gipfelkreuz und zwei großzügigen Sitzbänken zum Verweilen. Die Informationstafel liefert dir einen Einblick in die Vergangenheit des Bistands und auch, dass er im Laufe der Zeit fälschlicherweise als Bienstand bezeichnet wurde.


Vor mir breitet sich der Bayerische Wald in seinen schönsten Farben aus. Bei klarer Sicht zeigen sich mit etwas Glück am Horizont sogar die Alpen. Ich setze mich auf eine der Rastbänke und beobachte, wie die Sonne langsam in allen erdenklichen Orangetönen hinter dem Bergkamm des Brotjackriegl verschwindet.


Der Rundweg führt mich durch den Wald wieder zurück auf den Schotterweg. Die einbrechende Abendstimmung ist sensationell, denn der Himmel färbt sich mittlerweile in sanfte Blau-, Rosa- und Lilaschattierungen. Aus der Ferne erspähe ich einen letzten Blick auf den prominenten Gipfel des Großen Rachel, bevor ich wieder den Parkplatz erreiche und ins Auto steige.


Fazit zur Winterwanderung bei St. Oswald
Die Winterwanderung zum Bistand ist vielleicht keine Bucket-List-Tour, doch sie ist eine Einladung, einfach mal wieder spontan raus an die frische Luft zu gehen. Wenn du also eine ruhige Winterwanderung im Bayerischen Wald suchst mit ehrlicher Natur und grandiosen Aussichten, dann ist der Bistand die richtige Wahl.


Informationen für deine Winterwanderung zum Bistand
- Länge: ca. 2,8 Kilometer (Rundweg)
- Markierung: Nummer 3
- Höhenmeter: 40 hm
- Beste Jahreszeit für Winterwanderung: Mitte November bis Ende Februar
- Dauer: ca. 50 Minuten
- Schwierigkeit: leicht
- Anreise: Parkplatz zwischen Reichenberg und Höhenbrunn oder mit dem Winterbus der Region
- Ausrüstung: Wasserdichte Wanderschuhe, warme Kleidung, bei Bedarf Grödel oder Schneeschuhe

Weitere Winterwanderungen im Bayerischen Wald findest du hier auf dem Reiseblog.






