6-Tausender-Tour Winterwandern Bayerischer Wald:
Von Eck bis Berghütte Schareben

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Diesen Februar schwächelt der Winter im Tal enorm. Ganz anders in den Bergen. Der Bayerische Wald sieht in den Hochlagen immer noch wie ein anderer Planet aus. Ein Schnee-Planet! Es ist dieses Panorama, das aus dem Vollem schöpft und nie in Worte zu fassen ist. Auf den Geschmack von Winterwanderungen bin ich schon lange gekommen. Mit Sonnenschein ein unschlagbares Duett. Nach unzähligen Nebel-Wochenenden endlich ein klarer Himmel. Also raus und hoch in die Berge. Mehrzahl Berge, nicht Berg. Die 8-Tausender Tour wollen wir abkürzen, denn am Großen Arber waren wir dieses Jahr bereits mehrmals. Vom Mühlriegel über Ödriegel, Schwarzeck, Reischflecksattel nach Heugstatt und Enzian, planen wir eine eher unübliche 6-Tausender-Tour auf Schneeschuhen zu erobern. Sommer kann ja jeder…

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In Eck beginnt unsere Winterwanderung am Prädikatswanderweg Goldsteig. Auf dem schneebedeckten, engen Pfad gleiten wir durch den Mischwald. Im Winter trägt der Bayerische Wald kein üppiges Grün, aber kahl ist es Dank der Fichten & Tannen trotzdem nicht. Auf den Ästen ist zu Beginn der Wanderung kein Weiß mehr zu sehen, dafür strahlt die wärmende Februarsonne durch die unendliche Baumwelt und sorgt für gute Laune am frühen Morgen. Ungefähr zwei Kilometer wandern wir kontinuierlich bergauf zum ersten Tagesziel, dem Mühlriegel.

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Wintererlebnis in den Bergen: Eck bis Mühlriegel

Der felsige Gipfel ist wegen seinem Schneemäntelchen kaum erkennbar. Wie ein großer Sahnehaufen ruht er im Wald. Nur das Holzkreuz ist der Beweis, dass wir den 1080 m hohen Berg erreicht haben. Oben weht eine frische Brise gepaart mit blendender Sonne. Belohnt werden wir mit einem Traumausblick auf den Lamer Winkel Richtung Zwercheck und Großer Osser.

Inspiration für die kalte Jahreszeit im Lamer Winkel gibt es hier:
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Schneeschuhwandern Bayerischer Wald:  Mühlriegel bis Ödriegel

Für lange Verweilzeiten bleibt bei einem Gipfel-Marathon keine Zeit, also ziehen wir weiter zum nahegelegenen Ödriegel. Sein markanter Felsturm ragt monumental dem strahlend blauen Himmel entgegen. Der frische Wind ist nun eisig und die Welt um uns, teilt sich in zwei Farbschemas. Wir stehen mitten in einer dicken, weißen Winter-Paste, teils mit wellenartigen Verwehungen. Ohne Schneeschuhe würden wir knietief einsinken. Kein Spaß bei insgesamt 13 Kilometer Winterwanderung. Im Zellertal unter uns blicken wir hingegen auf eine grüne Oase mit ein paar hellen Flecken.

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6-Tausender-Tour Winterwandern Bayerischer Wald: Ödriegel bis Schwarzeck

Die kommende Teiletappe befinden wir uns nun auf weniger ausgetretenen Pfaden. Streng genommen sehen wir heute keinen Pfad, sondern orientieren uns an der Goldsteig-Markierung. Das Gebiet außerhalb des Weges darfst du nicht verlassen. Wegen dem seltenen Auerwild steht es unter strengem Naturschutz. Bis zum eher unbekannten Berg Schwarzeck, ziehen wir in flottem Tempo frische Spuren durch den Schnee. Kurz vor dem dritten Gipfel wird der Anstieg wieder anspruchsvoller und die Atmung gleichzeitig schneller.

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Zeit sich für ein paar Minuten von den klobigen Schneeschuhen zu befreien. Nach mehr als 6 Kilometer Fußmarsch, legen wir eine kurze Rast auf dem südlichen Felsen von Schwarzeck ein. Getoppt wird die Ruhepause mit einer phänomenalen Aussicht zum Großen Arber. Im Winter ist er besonders gut aus der Ferne zu erkennen. Nirgendwo ist es schneereicher und die Radarkuppeln zeigen sich in Zahnpastaweiß.

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6-Tausender-Tour Winterwandern Bayerischer Wald: Schwarzeck bis Heugstatt

Weiter geht es nun ein Stück bergab durch den Wald. Die Äste der Bäume sind bereits seit dem Ödriegel wieder mit Eis und Schnee überzogen und erzeugen eine stimmungsvolle Atmosphäre. Eine Umgebung, die mit Abwechslungsreichtum punktet. Steingiganten, Bäume und Lichtungen zieren die glitzernde Schneelandschaft bis zum Reischflecksattel. Dazwischen zeigt sich die Sonne in voller Kraft und ich ziehe immer wieder die Jacke aus.

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Meine Bewegungen auf den starren Schneeschuhen sehen weniger galant aus. Das Gelände ist felsig, welches sich auch im Winter bemerkbar macht. Zum Glück werden beim Wandern keine Haltungsnoten vergeben. Auch die kleine Unterstandshütte am Reischflecksattel trägt heute eine dicke Schneehaube. Krum und schief steckt die Markierung im Boden. Ich muss schmunzeln. Die größte Herausforderung für mich beim Fotografieren im „Woid“ sind die schrägen Bäume und auch Beschilderungen. Urwald eben! Ein paar Schritte weiter, werden wir erneut mit hübschen Ausblicken über den Bayerischen Wald belohnt.

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Auf den folgenden Abschnitt der Route freue ich mich ganz besonders. Wir begeben uns Richtung Heugstatt. Ich liebe diesen Gipfel, weil er einfach gar nicht gipfelig aussieht. Seine Eigenart auf einer Wiese zu sein, lockt Sommer und Winter täglich eine Vielzahl von Tourengängern an. Die Muskeln werden bergauf ein weiteres Mal gefordert. Kälte spüre ich kaum.

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Anstrengend wird der Anstieg nicht, weil wir immer wieder Stopps zum Fotografieren und vor allem Staunen einlegen. Diese realen Bilder lassen sich kaum in Worten fassen. Erst wer mitten in dieser märchenhaften Umgebung gelandet ist, kann die Winter-Glücksgefühle nachvollziehen. Am Großen Arber werden die schneeverkleideten Bäume (welche mir die Sprache verschlagen) Arber-Mandl genannt. Im Bayerischen Wald entdeckst du diese fantasievollen Wintergebilde längst nicht nur am Arber, sondern in allen Höhenlagen. Und gerade stehen wir quasi vor einer Armee aus Heugstatt-Mandl!

Winterzauber im  Zellertal: Heugstatt bis Enzian & Einkehr Berghütte Schareben

Beim schönsten Gipfelkreuz des Bayerwalds (nur meine subjektive Definition) erwartet uns eine kleine Skulpturenlandschaft aus Eis und Schnee. Nur das Holzbankerl ist noch frei von der weißen Pracht. Zum Sitzen ist es ein wenig zu kalt, denn der Wind kennt keine Gnade beim Genießen des herrlichen Weitblicks.

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Wir steuern unserem letzten Berg-Ziel des heutigen Tages entgegen. Nur ungefähr eine Viertelstunde trennt uns vom Enzian. Aus der Ferne erblicken wir bereits das Kreuz auf der nächsten Erhebung. Meine Beine sind schon etwas müde, aber die Schönheit der Winterlandschaft treibt mich weiter an. Alles ist gleisend weiß und bildet zum hypnotisierenden, knallblauen Himmel einen starken Kontrast. Am 1285 m hohen Enzian lugt der Sonnenstern durch das Kreuz hervor. Es liegt so viel Schnee, dass die Sitzbank versteckt bleibt und ich weit über der riesigen Informationstafel stehe, statt davor. Ich bin mittlerweile sowieso auf einem ganz anderen Level angekommen. Danke an das Paradies vor der Haustüre! Teure Winterreisen bleiben mir somit erspart.

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Der Weg zur alteingesessenen Berghütte Schareben geht zügig in nur 45 Minuten über Richtung Heugstatt. Erschöpft aber sehr glücklich kehren wir ein. Und der Kaiserschmarrn schmeckt nach 6 Stunden an der Frischluft besser als jedes Sterne-Essen! Zur Toilettenbeschilderung muss ich hoffentlich nichts mehr sagen…

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6-Tausender-Tour Winterwandern Bayerischer Wald ab Eck bis Schareben

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Keine Rundwanderung! Anfahrt entweder mit 2 Autos oder Rückfahrt mit Bus. in den Wintermonaten darf die Straße zur Berghütte Schareben zwischen 9:00 Uhr und 16:15 Uhr nicht mit PKW Befahren werden. Du kommst während dieser Zeit mit dem Skibus zum Parkplatz. von Schareben nach Eck fährt die Buslinie L6192

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Folgende Berge erwanderst du: Mühlriegel (1080 m) Ödriegel (1156 m) Schwarzeck (1238 m) Reischflecksattel (1126 m) Heugstatt (1261 m) Enzian (1285 m)

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Startpunkt: Berggasthof Eck, Eck 1, 93474 Arrach ODER Berghütte Schareben, 94256 Drachselsried (umgekehrte Richtung)

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Länge: ca. 13 km

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Höhenmeter: ca. 700 hm

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Dauer: ca. 5 Stunden

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Einkehrmöglichkeit: Berggasthof Eck oder Berghütte Schareben

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Optional: Tour kann bis Kleiner und Großer Arber verlängert werden (Acht-Tausender-Tour)

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